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 Rosie Mester: Erfahrungen mit der elektronischen Anlauttabelle
Ein Bericht von Frau Mester über den Einsatz des Concept Keyboard im Unterricht der Loschgeschule in Erlangen.

 

 


Praktischer Einsatz des Concept Keyboards in der ersten Klasse der Loschgeschule in Erlangen

Durch die Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Grundschulpädagogik in Nürnberg bekam unsere Schule zwei Concept Keyboards zur Verfügung gestellt. Mit dieser elektronischen Anlauttabelle konnten unsere chulanfänger von der ersten Schulwoche an am Computer selbständig arbeiten.

Was ist das Besondere am Concept Keyboard?

Das Concept Keyboard ist eine Membrantastatur und dient als Ersatz bzw. Ergänzung der normalen Computertastatur. Die Arbeitsfläche entspricht in etwa dem Format DIN A3. Sie ist in 16 * 16 = 256 sensorische Felder aufgeteilt. Mit Hilfe einer speziellen Software, dem Programm CONSET, können diese Felder einzeln oder in Gruppen zusammengefaßt mit Computerbefehlen belegt werden. Ausgelöst wird der Befehl durch leichtes Drücken auf das sensorische Feld. Zur Information welches Feld mit welchem Befehl belegt ist, wird eine Papierauflage mit den passenden Symbolen auf das Tableau aufgelegt. Die Symbole können den Zeichen der Computertastatur entsprechen oder völlig frei gewählt werden. Ursprünglich wurde dieses Keyboard entwickelt, um Leuten mit Koordinationsschwierigkeiten oder feinmotorischen Störungen durch großflächige Bedienungszellen die Benutzung des Computers zu ermöglichen.

Unser Einsatz des Keyboards stand im Zusammenhang mit dem Leselehrgang LESEN DURCH SCHREIBEN. Wir wollten für unsere Leseanfänger die Anlauttabelle nach Dr. Reichen, die sie als vorrangiges Arbeitsmittel zum Verschriften einsetzten, für dieses Keyboard programmieren. Um die elektronische Anlauttabelle möglichst eng an die Papierform anzugleichen, mußte die runde Form des Tores in die Welt (laut Reichen) in die tabellarische Anordnung der sensorischen Felder gebracht werden.

Vorlage für Concept Keyboard
Das Tor in die Welt (nach Dr. Reichen), umgesetzt in die tabellarische Anordnung für das Concept Keyboard (stark verkleinerte Ausführung des Originals, das uns Frau Mester als WinWord-Dokument zur Verfügung gestellt hat).
Die Grundanordnung haben wir beibehalten und nur den Bogen waagrecht gelegt. Ergänzt haben wir die Anlauttabelle durch Tastaturbefehle, die für die verwendete Software notwendig waren. Die Programmierung wurde von Günter Renner, Student an der Friedrich-Alexander-Univerität Erlangen-Nürnberg vorgenommen. Das Layout der Auflage entwarf ich mit der Tabellenfunktion von WinWord im Format DIN A4. Es kann mit einem Kopiergerät auf das notwendige DIN A3 Format vergrößert werden. Die Bilder wurden von der Anlauttabelle Dr. Reichen eingescannt, die restlichen Buchstaben wurden ebenfalls mit Anlautbildern bzw. Endlautbildern (ch, ng) eingefügt.

Wie sieht der praktische Einsatz des Concept Keyboards aus?

Das Keyboard wird wie eine Maus an einer seriellen Schnittstelle am Rechner angeschlossen. Nachdem der passende Treiber gestartet wurde, läuft dieser im Hintergrund. Die vorhandenen Anwendungsprogramme können dann entweder mit der Tastatur oder mit dem Keyboard oder mit beiden gleichzeitig bedient werden.

Welche Probleme begleiteten den Einsatz?

Die Tücke liegt meist im Detail: Laut Handbuch können verschiedene Programmierungen für die unterschiedlichen Nutzer erstellt und bei Bedarf aufgerufen werden. Die entsprechende Papierauflage ist schnell auszutauschen. In unserem Fall war der notwendige Treiber für die elektronische Anlauttabelle unberechenbar. Einmal startete er problemlos durch, ein anderes Mal wieder landete ein fremder Treiber im Arbeitsspeicher. Die Kinder drückten das Feld "Sch" und es erschien "V" auf dem Bildschirm. Es konnnte nicht festgestellt werden, welche Ursache für diese Fehlbedienung ausschlaggebend war. Außerdem war das Handbuch in englischer Sprache verfaßt.

Meine Zeit reichte am Schuljahresanfang nicht aus, um mich selbst mit dem Programmieren des Treibers vertraut zu machen. Immer wieder mußte ich einen Hilferuf an Günter Renner, den Programmierchef losschicken. Erst nachdem er eine Stapeldatei geschrieben hatten, konnte ich auf Befehl den gewünschten Treiber starten. Wenn es lief, war es eine gute Sache. Meine Kollegin in der Lernwerkstatt, die gerade erst anfing sich mit dem Computer anzufreunden, hatte das Concept Keyboard inzwischen enttäuscht zur Seite gestellt. Ihr war des Starten des richtigen Treiber unter DOS zu umständlich.

Seit Juli 1996 liegt ein deutsches Handbuch zur Programmierung des Layouts vor. Dieses Workshop-Handbuch ist sehr gut gelungen. Mit seiner Hilfe können die verschiedenen Layouts leicht erstellt und angepaßt werden. Außerdem wurde die Software CONSET überhaupt verbessert und ist somit wirklich bedienerfreundlich geworden. Bei etwaigen Problemen half dIB ELEKTRONIK sehr kundenfreundlich und kompetent weiter.

Diese Erfahrungen habe ich hier so ausführlich aufgeschrieben, weil sie typisch sind für den Umgang mit dem Medium Computer. Die technische Seite beim Computereinsatz ist oft der schwierigste und zeitaufwendigste Teil der Vorbereitung.

Wie gingen nun unsere Schulkinder mit dieser Arbeitshilfe um?

Kinder am Concept Keyboard Von der ersten Schulwoche an setzten wir das Keyboard in Verbindung mit dem Budenberg-Programm BILDSCHREIBEN ein.

Die Aufgaben des Programms lassen sich ohne Programmierkenntnisse verändern. Ich habe die im Orginalprogramm vorgegebenen Buchstaben entfernt, so daß lediglich das Bild auf dem Bildschirm zu sehen war.

Bei der Auswahl haben wir uns auf lauttreue Wörter beschränkt. Die Kinder hörten die Laute ab und gaben die dazugehörigen Buchstaben über die elektronische Anlauttabelle ein. Als sehr hilfreich erwies sich die einfache Eingabe der Buchstabengruppen wie z.B. "sch/pf/au/eu/ei/ch/... f" mittels eines einzigen Tastendrucks. Das Programm und das Keyboard harmonierten sehr gut zusammen. Die Abbildung der Computertastatur im Aufgabenfeld diente als Hilfe. Wenn die Kinder den richtigen Buchstaben nicht gleich fanden, blinkte er im Tastenfeld auf. Auch beim freien Schreiben verwendeten die Kinder gerne das Concept Keyboard. In MINITEXT (ebenfalls Budenberg) oder gleich in WinWord schrieben sie eigene Texte.

Wie lange benutzen die Schüler das Concept-Keyboard?

Die beiden Tastaturen (Concept Keyboard und PC-Tastatur) standen nebeneinander auf der Arbeitsfläche und waren gleichzeitig betriebsbereit. Kinder, die schon recht sicher im Abhören der Laute waren, zogen nach 4 bis 5 Schulwochen die normale Tastatur vor. Interessanterweise drückten sie die Buchstabengruppen (sch, pf, au ...) weiterhin auf dem entsprechenden Feld des Concept Keyboards. Sie wechselten sehr flexibel zwischen den beiden Tastaturen hin und her. Kinder, denen das Abhören der Laute schwer fiel und denen die Anlautbilder beim Finden der passenden Buchstaben halfen, benutzten deutlich länger - erstes Schulhalbjahr - das Concept Keyboard.

Unterstützt die elektronische Anlauttabelle Kinder mit Lernproblemen?

In der Zeit zwischen Fasching und Ostern wollte ich genauer beobachten, wie sich der Einsatz der elektronischen Anlauttabelle in Kombination mit der beliebten Computerarbeit auf Kinder auswirkt, die Probleme beim Verschriften hatten. Etwa vier Kinder verwendeten die Anlauttabelle nicht, wußten aber die Buchstaben auch nicht auswendig. Als Trainingsgrundlage wählte ich das Budenberg-Programm WORTDIKTAT. Hier kann aus dem vorhandenen Bildmaterial eine individuelle Wortliste zusammengestellt werden, die in den verschiedenen Arbeitssitzungen nacheinander durchgearbeitet wird. Die Wörter bleiben so lange im Arbeitsmodus, bis sie von den Schülern mehrmals richtig geschrieben wurden. Erst dann kommen sie in die Ablage zu den erledigten Wörter. Neben dem aktuellen Stand werden im Protokoll auch fehlerhafte Schreibweisen gespeichert. Leider fanden in diesen Schulwochen sehr viele Sonderaktionen statt, so daß das Trainingsprogramm von mir nicht in der geplanten Art und Weise beobachtet und dokumentiert werden konnte. Es bleibt festzustellen, daß nach Ostern die Kinder alle Buchstaben kannten und den Anlautbildern zuordnen konnten. Ob dies durch die elektronische Anlauttabelle unterstützt worden war, weiß ich nicht.

Welche Einsatzmöglichkeiten neben dem Lehrgang Lesen durch Schreiben wären denkbar?

Bei Kindern mit Leselernproblemen könnte der parallele Einsatz von elektronischer Anlauttabelle und geeigneter Software im Sinne der individuellen Lernförderung hilfreich sein. Ich bin überzeugt, daß die Verknüpfung von Anlautbild und Buchstabe auf der Anlauttabelle, kombiniert mit der motivierenden Computerarbeit Lernblockaden löst und dem Kind neue Lernwege eröffnet. Eine praktische Umsetzung im Rahmen einer Fördergruppe konnte von mir in diesem Schuljahr leider nicht durchgeführt werden.

Interessant wäre auch die Beobachtung, wie Kinder ohne Deutschkenntnisse mit dieser elektronischen Anlauttabelle arbeiten würden. Ich vermute, daß sich auch hier geeignete Lernsoftware, Sprachausgabe und elektronische Anlauttabelle sinnvoll ergänzen und so den Erwerb der deutschen Sprache unterstützen würden.

Welches Gesamturteil kommt nach einem knappen Jahr im praktischen Einsatz heraus?

Die Verwendung des Keyboards hat am Anfang Probleme gemacht. Ursache war, wie schon erwähnt, das Starten des richtigen Treibers.

Gerade am Anfang benutzten die Kinder das Keyboard gerne, die Bedienung war einfach. Unsere durchschnittlich begabten Schüler benutzten das Keyboard etwa zwei Monate lang. Im Förderbereich - Leselernprobleme, Deutsch für Ausländer, feinmotorische Defizite usw. - ist eine höhere Effektivität zu vermuten.

Autorin: Rosie Mester, Bergweg 1, 91080 Uttenreuth


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Letzte Änderung: 27.06.06
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