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| Manfred Beck: Erfahrungen mit einem Schreibsystem | |
| "Erfahrungen eines Schwerst- und Sprachbehinderten mit einem Schreibsystem"; so hat Manfred Beck seinen Bericht selber genannt. Wir geben hier ohne jeden Kommentar seinen Bericht wieder. | |
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Erfahrungen eines Schwerst- und Sprachbehinderten mit einem SchreibsystemHintergrund meines kleinen Erfahrungsberichtes über mein Schreibsystem, ist die wohl kaum übersehbare Tatsache, dass viele Schwerst- und gleichzeitig Sprachbehinderte heute arbeitslos sind. Fakt ist, selbst wenn sie über eine gute wie intellektuelle Schulbildung verfügen, dass sie für die heutige Arbeitswelt schlichtweg zu langsam sind. Aus der Sicht eines Unternehmens, das letztlich gewinnbringend und zugleich kostensparend arbeiten muß, ist dies durchaus logisch nach zu vollziehen. Fragen wir uns, welche Alternativen sich dem zur Debatte stehenden Personenkreis bieten, fällt mir bedauerlicherweise nur die sogenannte beschützende Werkstatt für Behinderte (WfB) ein. Vielleicht habe ich von solchen Einrichtungen eine falsche Vorstellung. So leid es mir auch tut, jedesmal wenn ich den Namen beschützende Werkstatt höre, muß ich unwillkürlich an stupide Fließbandarbeit denken. Jedoch möchte ich im Folgenden nicht über die allgemeine Arbeitsmarktsituation von Schwerstbehinderten referieren. Zweck dieser Beschreibung eines für mich schon essenziell gewordenen Hilfs- aber auch Arbeitsmittels soll es sein, Schwerst- und Sprachbehinderten aber vor allem ArbeitgeberInnen, Wege zu zeigen, wie sie uns produktiv in den Arbeitsprozess eingliedern können. Über michWenn man mich vom rein optischen her betrachtet denkt jeder, ich sei geistig behindert. Diese Sichtweise ist mir verständlich. Von meiner spastischen Lähmung, von Fachleuten auch Atethose genannt, ist auch die Muskulatur des Gesichtes betroffen. Wird auf mein Buchstaben- bzw. Kommunikationsbrett geblickt, wird mancher etwas nachdenklich. Meinen ständigen Begleitpersonen werden dann Fragen wie, "ist das ein Spiel" gestellt. Das Kommununikationsbrett dient zur Verständigung mit meiner unmittelbaren Umwelt. Die nächste Frage, welche von Ihnen gestellt werden dürfte, könnte lauten: "Wie hat dieser Mann trotz seiner cerebralen Bewegungsstörung das Schreiben erlernt?" Dies möchte ich Ihnen nun in einigen Sätzen darlegen. Die Klassenlehrerin der ersten Klasse Hauptschule in die ich ging, besass ein erfinderisches Talent. Am Rande sei bemerkt, die Klasse war Teil einer Heimsonderschule für Körperbehinderte. Eines morgens kam sie mit zwei Sorten von Kärtchen in den Unterricht. Auf einer waren Bilder z.B. ein Baum, Haus usw. und auf der anderen Sorte, die entsprechenden Namen zu sehen. Wir SchülerInnen mußten jetzt versuchen, daraus Paare zu bilden. Zu meiner eigenen Verwunderung hatte ich innerhalb weniger Wochen das Lesen erlernt. Das nächste Problem stand bevor. Meine Klassenlehrerin sagte sich, wenn der Schüler schon Lesen kann, müßte es theoretisch auch die Möglichkeit geben, dass er das Schreiben ebenfalls lernt. Dazu brachte sie eine mit Filz beschichtete Zeichenplatte mit in den Unterricht. Zu diesem Hilfsmittel gehörten ferner Buchstaben, welche auf einer Seite ebenfalls mit dem gleichen Material überzogen war. Die Lehrerin breitete nun beides auf meinem halbrunden Tisch aus und erläuterte mir, was ich damit machen sollte. Sie schrieb ein Wort an die Tafel. Meine Aufgabe bestand darin, jenes Wort mit meinen Buchstaben zu legen. Mit der rechten Hand versuchte ich die einzelnen Buchstaben auf der Zeichenplatte zu Worten zu formen. So verwunderlich es nicht nur für Sie sondern auch für mich sein mag, wie das Lesen beherrschte ich ebenfalls das Schreiben innerhalb weniger Wochen. Da ich die Zeichenplatte und die Buchstaben nicht ständig bei mir tragen konnte, entstand die Frage, wie ich meine Gedanken zu Papier bringen konnte. Um diesem Problem einer Lösung näher zu bringen, brachte meine Klassenlehrerin eine mechanisch funktionierende Schreibmaschine mit in den Unterricht. Zunächst gab sie meinen MitschülerInnen eine sogenannte Stillarbeit. Darunter sind Arbeiten zu verstehen, womit sich die SchülerInnen einige Zeit alleine beschäftigen können. Als alle "versorgt" waren, kümmerte sie sich um mich. Primär ging es erst einmal darum, die für mich bequemste Position zur Schreibmaschine zu finden. Dazu setzte mich meine Klassenlehrerin an meinen halbrunden Tisch, welcher mir nach links und rechts eine gewisse Stabilität bot. Jetzt setze sie sich hinter mich und führte meine rechte Hand zu den Tasten der Schreibmaschine. Doch nach wenigen Versuchen, mußte sich sowohl meine Lehrerin wie auch ich eingestehen, dass die Koordinationsfähigkeit meiner Finger nicht ausreichte, um gezielt eine Taste der Maschine zu drücken. Es mußte also nach einer anderen Lösung gesucht werden. Eines Tages brachte unsere Klassenlehrerin eine elektrische Schreibmaschine mit in den Unterricht. Über der Tastatur war eine Spastikerplatte angebracht. Hierbei handelt es sich um eine Lochplatte meist aus Metall. Jene wird über der Tastatur der Maschine befestigt. Sie verhindert, dass der Behinderte zwei oder mehrere Tasten gleichzeitig drückt. Schreiben mit einem Schreibsystem für Schwerst- und SprachbehinderteDer erste direkte Kontakt mit einem Schreibsystem für Schwerst- und Sprachbehinderte, fand in der zweiten Einrichtung für körper- und mehrfachbehinderte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene statt. Innerhalb jener Einrichtung entstand gerade eine neue Abteilung mit dem Namen: "Forschung & Entwicklung". Das Bestreben der Abteilung ist es, schwerst- und sprachbehinderten Menschen, technische Hilfen in die Hand zu geben, welche ihre physische Situation erleichtern. Scheinbar gehörte ich zu diesem Personenkreis. Ein Zivildienstleistender, der mich betreute, wurde in diesen Bereich übernommen. Als wir uns einmal zufällig sahen, schlug er mir vor, ein Schreibsystem für zwei Wochen bzw. einen Monat zu testen. Eines Nachmittags als ich die Schule aus hatte, stellte er das Schreibsystem in meinem Zimmer auf. Es funktionierte wie mein jetziges System, so möchte ich unmittelbar zu dessen Beschreibung kommen. |
Mein heutiges Schreibsystem |
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Auf dem ersten Blick schaut mein Computer wie jeder andere aus. Wirft man jedoch einen Blick auf seinen Bildschirm, sind zwei Fenster zu erkennen. Das obere ist für Texte. Über ihm erscheint die Symbolleiste mit Funktionen wie Datei, Bearbeiten usw. Im unteren Teil des Monitors ist ein grün gelbes Buchstabenbrett zu sehen. Die fünf grünen stellen das sogenannte Lexikon oder besser ausgedrückt die Wortvorhersage dar. In dieser werden automatisch Worte gespeichert, die man häufig benötigt. Die Worte wechseln je öfter der Benutzer einen bestimmten Buchstaben eines Wortes antippt. Dadurch wird ein beschleunigtes Schreiben ermöglicht. In der ersten und teilweise auch in der zweiten Reihe des gelben befinden sich die Cursor- und die Returntaste. Dazwischen ist noch die Umschalttaste für verschiedene Schriftarten wie auch Größen zu sehen. Nun folgen die Buchstaben und Satzzeichen. Bei der Anordnung der Buchstaben fällt auf, dass sie nicht nach dem ABC sondern nach ihrer Häufigkeit angeordnet sind. Die letzten drei Reihen sind für Funktionen wie Umschalttaste auf Zahlen, Entfernen, Fax usw. reserviert. Betätigt man die Taste Sonder, kann man z.B. ein Prozentzeichen oder ein Apostroph u.ä. schreiben. Mit der untersten Reihe öffnet man die Fenster, Ansicht, Einfügen, Format usw. Eine für mich sehr zweckmäßige Taste ist die TextTaste. Sie ermöglicht mir den schnelleren Zugriff auf einen bestimmten Teil innerhalb eines Textes. |
Die SensortasteKommen wir nun zum wichtigsten Teil meines Schreibsystems, der Sensortaste. Hierbei lasse ich mich von der Überlegung leiten, dass sich viele von Ihnen kein Bild davon machen können, wie ein zerebral geschädigter Mann ein Schreibsystem oder einen Computer bedienen kann. Dazu bietet sich ein Vergleich mit meiner früheren Sensortaste an. Sie war eine ganz einfache Kipptaste, ähnlich wie ein Lichtschalter. Mit zwei Klettstreifen in der rechten oberen Ecke platziert. Mit diesem Sensor kam ich gute drei Jahre zurecht. So wurde es mir z.B. möglich, ohne Hilfe meiner HelferInnen ein Buch zu veröffentlichen. Bei der Schreibmaschine mußte mir ständig das Blatt gewechselt werden. Meine Behinderung bringt es mit sich, dass ich einen unkontrollierten Speichelfluss habe. Zum Schutz der Schreibmaschine wurde eine Klarsichtfolie über deren Tastatur gespannt. Trotz jener Schutzmaßnahme unterlag meine Maschine ständigen Defekten. Aufgrund eines ein Jahr andauernden Spasmuses konnte ich weder auf meinem Kommunikationsbrett zeigen, nach gelang es mir, meine linke Faust auf die Sensortaste des Schreibsystems zu bringen. Guter Rat war jetzt teuer. Mein jetziges Schreibsystem habe ich von der dIB ELEKTRONIK in Nürnberg. Um den Verdacht einer unlauteren Werbung für diese Firma gleich zu entkräften, möchte ich betonen, dass ich mir deren Genehmigung eingeholt habe. Infolge der Entfernung München - Nürnberg, suchten meine HelferInnen und ich zunächst einmal in München einen geeigneten Kundendienst für Computer, der vor allem Schwerstbehinderte bedienen kann. Zu unserer großen Verwunderung gibt es in München und Umgebung keine einzige Firma, welche technische Hilfsmittel wie Computer bzw. Schreibsysteme herstellt. Was blieb mir anderes übrig, als zu warten, bis der Kundendienstes von dIB ELEKTRONIK in München etwas zu erledigen hatte. Einflechten möchte ich, dass ich zu diesem Team einen sehr guten Kontakt pflege. Nun folgten eine Anzahl von Versuchen mit verschiedenen Sensoren. Die dIB ELEKTRONIK stellte mir jene leihweise zur Verfügung. Aus der breiten Paletten von Schaltern oder Computermäusen seien hier nur drei genannt: Kopfschalter: Joystick: Fußschalter: |
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Nach dieser kleinen Auswahl von Sensoren, möchte ich Ihnen nun meinen Schalter präsentieren. Zunächst sehen wir einen sogenannten Teleskop-Arm. Er ist sehr flexibel und nach allen Seiten verstellbar. Vorne befindet sich ein roter Sensor, den ich wie Sie bei der nachfolgenden Beschreibung der Fotos sehen werden, mit dem Ellenbogen meines linken Armes betätige. Bei der Arbeit an meinem Schreibsystem, komme ich ziemlich stark ins schwitzen. Deswegen trage ich dabei nur ein bauchfreies Top, eine Leggins und habe keine Strümpfe an. |
Noch ein Paar Bilder
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Sollten Sie Interesse an meinem Schreibsystem bekommen haben, bin ich gerne bereit, Ihnen nach Terminabsprache eine Vorführung zu bieten. Sie erreichen mich unter der Anschrift: Manfred Beck oder Sie wenden sich an: dIB ELEKTRONIKBereich Reha Technik Allersberger Strasse 185 N D-90461 Nürnberg Tel: 0911/471658 Fax: 0911/471676 nuernberg@rehavista.de |
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| Letzte Änderung: 02.06.07 |
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